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Was hältst Du aus?

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Hier geht es nicht darum, welche körperlichen Belastungen Du aushalten kannst, sondern darum, wieviel Verluste Du bei Deiner Geldanlage im wahrsten Sinne des Wortes verschmerzen kannst.

Bei einer Geldanlage in verschiedenen Vermögenswerten kann es unweigerlich auch einmal zu Verlusten kommen.

Im einfachen Fall ist das schon gegeben, wenn z. B. der von Dir gekaufte Vermögenswert sich nicht in die von Dir erwartete Richtung entwickelt.

Der schlimmere Fall ist in der Regel mit noch größeren Schäden verbunden, wenn z. B. Unternehmen durch die Geschäftsführung in die Pleite gefahren werden und Dein Wertpapier etwas mit diesen Unternehmen zu tun hat.

Beispiele gibt es sicher genug, ein prominenter Fall aus den 1990er Jahren war der Bankrott der Maxwell Communication Corporation plc., in dessen Folge die Anleihen des Unternehmens nahezu vollständig wertlos wurden.

Verluste sind in der Regel hart verdiente Eurobeträge und keine abstrakten Prozentwerte, die den wahren Charakter des Verlustes und dessen Folgen verschleiern. Im Extremfall kann das nämlich existenzbedrohend werden.

Kenne Deine Risikotragfähigkeit

Der zentrale Begriff im Zusammenhang mit der Frage Was hältst Du aus? ist die Risikotragfähigkeit.

Die Risikotragfähigkeit ist kurz gesprochen der Eurobetrag, den Du ohne weitere Folgen bei Deiner Geldanlage verlieren kannst.

Kennst Du diesen Betrag nicht oder nur sehr vage, so könnte das in Zukunft Probleme geben, wenn Verluste in einer für Dich nicht mehr beherrschbaren Größenordnung tatsächlich eintreten, Du Dich also gegebenenfalls dann um ein Notprogramm kümmern musst.

Je besser Du diese Risikotragfähigkeit abschätzt, umso besser kannst Du Deine Kapitalanlage planen und bist für künftige Risiken bestens präpariert.

Im Rahmen der Banksteuerung sind die Kreditunternehmen aufgefordert, eine Risikotragfähigkeitsanalyse durchzuführen. Wir empfehlen Dir, die Grundidee der Analyse zu übernehmen und Deine Risikotragfähigkeit abzuschätzen.

Im Folgenden möchten wir Dir zeigen, wie Du die Risikotragfähigkeit für Dich abschätzen kannst.

Bestimmung der Risikotragfähigkeit

Die Risikotragfähigkeit bei einer Privatperson ist eine für jeden Menschen individuelle Größe. Sie hat neben der Vermögenshöhe auch sehr viel mit psychologischen Faktoren zu tun.

Denn jeder Mensch geht anders mit Verlusten um.

Abhängig von der Persönlichkeit können manche Menschen bei gleicher Verlustfallkonstellation größere und andere Menschen lediglich geringe Verluste „verschmerzen“.

Die folgende Vorgehensweise hat sich zur Bestimmung der individuellen Risikotragfähigkeit in der Praxis bewährt.

Schritt 1:

Analysiere große Verluste, die Dir in der Vergangenheit bei der Geldanlage widerfahren sind.

Notiere Dir die Vorfälle in der Höhe des Verlustes und in der Länge des Zeitraums, über den der Verlust eingetreten war.

Notiere Dir auch, wie Du Dich dabei gefühlt hast und welche Folgen der Verlust hatte.

Beispiel:

Innerhalb eines Anlagezeitraums von einem Jahr hatte ich 5.000 Euro von 50.000 Euro verloren. Das ist mir auf den Magen geschlagen, weil wir in dem Jahr keinen Urlaub machen konnten.

Schritt 2:

Simuliere für Dich den Fall: Was wäre, wenn …?

Was wäre, wenn ich eine Geldanlage von zehn Jahren plane und es in einem Jahr zu einem Verlust von 1 %, 5 %, 10 %, 20 %, 50 %, 100 % oder 150 % meines gesamten Vermögens kommt.

Der Fall 150 % oder mehr kann bei extrem offensiv eingestellten Geldanlegern vorkommen, wenn diese auf Kredit Vermögenswerte gekauft haben und die Papiere dann einen Totalverlust erleiden.

Wir warnen Dich an dieser Stelle vor derartigen, die Existenz bedrohenden Methoden der Geldanlage und beschränken uns hier auf konservative Anlageformen.

Aber nun weiter zur Abschätzung Deiner Risikotragfähigkeit.

Die Was wäre, wenn …?-Analyse gestalten wir für Dich konkret in Eurobeträgen.

Notiere dazu auf einem Zettel (oder in einer Excel-Tabelle) die Höhe Deines gesamten Vermögens.

Erstelle eine Liste mit möglichen Verlusten in Euro, die Du bereit bist, z. B. einmal in zehn Jahren zu verlieren.

Zu Deiner Übersicht kannst du in einer Liste die Prozentsätze des Verlustes – bezogen auf Dein gesamtes Vermögen – berechnen und in der Liste notieren.

Zu den einzelnen Verlustbeträgen notierst Du, auf welche Dinge Du verzichten müsstest, um den Verlust auszugleichen.

Bewerte die einzelnen Verlustbeträge.

Benutze zur Bewertung beispielsweise

  1. Akzeptabel,
  2. Schmerzgrenze,
  3. Lebensstandard bedroht,
  4. Existenz gefährdet,
  5. GAU, etc.

Und orientiere Dich bei der Bewertung an den bereits in der Vergangenheit aufgetretenen, großen Verlusten.

Das zentrale, gesuchte Ergebnis ist derjenige Verlustbetrag, bei dem Du subjektiv das Attribut „Schmerzgrenze“ setzt.

Was hältst Du aus

Weitere wichtige Größen sind die Beträge, ab denen Du Deinen Lebensstandard eingeschränkt siehst. Und insbesondere derjenige Betrag, bei dem Du subjektiv Deine Existenz bedroht siehst.

Die folgende Liste der Familie Fischer gibt Dir einen detaillierten Überblick, wie Du diese Untersuchung durchführen kannst.

Thomas und Sophia Fischer sind bei ihrer Analyse so vorgegangen: Sie planen eine Kapitalanlage von etwa zehn Jahren. Sie haben sich dabei ein Verlustjahr in den kommenden zehn Jahren vorgestellt und bewertet, welche Dinge sie streichen müssten, um den Verlust auszugleichen.

Was hältst Du aus

Im Ergebnis stellt das Paar fest, dass für sie die Schmerzgrenze bei etwa 7.500 Euro liegt.

Diesen Wert betrachten sie als ihre Risikotragfähigkeit.

Welches ist die Maßzahl der Risikotragfähigkeit?

Hier geht es darum, wie Du für Dich die Risikotragfähigkeit bewertest: In Prozent oder als absoluten Eurobetrag.

Das ist individuell jeweils anders und reine Geschmackssache.

Der von Dir zuvor ermittelte Eurobetrag der Risikotragfähigkeit gibt Dir an, welchen Verlust Du in Euro tragen kannst, ohne dass es für Dich nach Deiner subjektiven Empfindung bedrohlich wird.

Der Eurobetrag hat also unmittelbare Aussagekraft und löst in der Regel auch eine psychologische Regung aus.

Diesen Wert kannst Du – bezogen auf Dein Gesamtvermögen – in Prozent ausdrücken, um ihn gegebenenfalls mit Deinen Bekannten zu vergleichen. Bei der Familie Fischer im obigen Beispiel wären das 1,5 % bezogen auf ihr Gesamtvermögen von 500.000 Euro.

Wir empfehlen Dir aber auf jeden Fall, den Wert der Risikotragfähigkeit in Euro im Vergleich zu Deinem freien Kapital zu sehen.

Denn einen möglichen, künftigen Verlust wirst Du primär aus dem freien Kapital decken müssen, wenn Du nicht andere Vermögenswerte verkaufen oder gar einen Kredit aufnehmen willst.

Wir erinnern noch einmal daran: Freies Kapital ist der Betrag, den Du in den kommenden zwölf Monaten anlegen kannst, ohne dass Du zu viele Gelder verplanst und anschließend mit den Nachteilen kämpfen musst.

Der Vergleich der Risikotragfähigkeit mit dem freien Kapital liefert also im Ergebnis die Antwort auf die Frage, ob Du einen möglichen, künftigen Verlust überhaupt aus dem schnell verfügbaren Kapital decken kannst.

Die Familie Fischer hat ihre Risikotragfähigkeit und den Vergleich zum freien Kapital bewertet:

Die Risikotragfähigkeit von 7.500 Euro – bezogen auf das freie Kapital von etwa 73.000 Euro – zeigt ihnen, dass sie bei der geplanten Anlage des freien Kapitals allerhöchstens einen einmaligen Verlust von 7.500 Euro, also etwa 10 % erleiden möchten.

Risikotragfähigkeit – eine der wichtigsten Zahlen im Portfoliomanagement

Zusammengefasst ist die Risikotragfähigkeit also derjenige Betrag, den Du in einem von zehn Jahren bereit bist zu verlieren oder besser, den Du verlieren kannst, ohne dass Du subjektiv Einbußen in Deinem Lebensstandard wahrnimmst.

Damit gibt Dir die Risikotragfähigkeit eine Schranke vor.

Diese Schranke beeinflusst – wie wir später sehen werden – die Strategie Deiner Geldanlage entscheidend.

Denn bei der Geldanlage wirst Du Dich auch mit dem Punkt der Risikoauslastung befassen.

Wir greifen hier etwas vor: Die Risikoauslastung ist ebenfalls ein Eurobetrag. Sie beschreibt das Verlustrisiko des Portfolios, das Du umgesetzt hast.

Risikotragfähigkeit und Risikoauslastung sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, aber dazu später mehr.

Auf einen einfachen Nenner gebracht: Die Risikotragfähigkeit als Schranke zügelt den Risikoappetit beim Aufbau Deines Portfolios.

Zu wissen wann man satt ist, ist ein entscheidender Vorteil beim späteren Tanz.

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