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Wie bestimme ich mein freies Kapital?

Wie bestimme ich mein freies Kapital?

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Neben der Zielplanung der Vermögensanlage sollte am Anfang all Deiner weiteren Überlegungen die Abschätzung Deines nicht gebundenen, freien Kapitals stehen.

Nach einer Analyse Deiner Finanzsituation sollte also unter dem Strich derjenige Geldbetrag stehen, der überhaupt für eine Geldanlage in Frage kommt.

Wenn wir ohne diese Vorabüberprüfung eine Vermögensanlage durchführen, haben wir im besten Fall lediglich Geld, das für andere Zwecke vorgesehen war, erneut verplant.

Im schlimmeren Fall können wir größere Rechnungen nicht ohne einen Überbrückungskredit bezahlen, weil wir alles Geld fest in der Vermögensanlage blockiert haben.

Abgesehen von den finanziellen Nachteilen ist das unseriös und hat nichts mit strategischer Vermögensanlage zu tun!

Wir empfehlen Dir, vor der Vermögensanlage eine Analyse Deiner Finanzsituation durchzuführen, um einen klaren Blick auf das wirklich für die Vermögensanlage zur Verfügung stehende, freie Kapital zu bekommen.

Die Grundidee im Überblick

Dein freies Kapital berechnet sich als Summe aus dem, was Du pro Jahr von Deinem Einkommen nicht ausgibst und einer Liquidität, die sich aus Deinem bestehenden Vermögen speist.

Die Liquidität umfasst – grob gesprochen – die Kassenhaltung (z.B. Girokonto, Tagesgeld, etc.) und in den kommenden zwölf Monaten freiwerdendes Kapital aus Deinem bestehenden Vermögen.

Das freie Kapital lässt sich also bereits in sehr guter Näherung durch folgende zusammenfassende Überlegungen ermitteln:

Wie bestimme ich mein freies Kapital 01

Nach obigem Schema führt Dich die Analyse Deiner Finanzsituation auf eine Art private Bilanz.

Wir wollen die Bestandteile Deiner Analyse nun im Einzelnen vorstellen und das obige Schema verständlicher machen.

Die Analyse Deiner Finanzsituation

Stelle Dir Listen zu den einzelnen, nachfolgenden Punkten Deiner Finanzanalyse zusammen.

Weil wir langfristig eine Vermögensanlage planen, schauen wir auf Jahreswerte und den Betrag in den kommenden zehn Jahren.

Multipliziere dabei den jeweiligen Jahreswert nicht einfach mit zehn, um auf den Zehnjahr­eswert zu kommen.

Dieses wäre lediglich eine einfache Hochrechnung der bestehenden Situation und würde keine Steigerungen enthalten.

Stattdessen überlege bei allen Punkten, wie sich die Situation in den kommenden zehn Jahren verändern kann.

Einnahmen

Zu den Einnahmen zählen alle Geldbeträge, die Du als private Person netto vereinnahmst.

Hier schaue auf die Geldbeträge, die Du im kommenden Kalenderjahr oder absehbar in den nächsten zehn Jahren erwartest.

Deine Liste für die Einnahmen sollte also vier Spalten haben:

EinnahmeartJahreswertZehnjahreswerteBemerkung

Die nachfolgende Aufzählung gibt Dir eine Übersicht und einen Denkanstoß, worauf Du achten solltest.

Deine privaten Einnahmen:

  • Jährlicher Nettolohn
  • Jährliche Nettoeinnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Erlös – nach Steuern und Abgaben – aus bereits angelegten Vermögenswerten
  • Nettoerlös aus Geschäftsbeteiligungen
  • Regelmäßige, größere Geldgeschenke
  • Regelmäßige Versicherungsleistungen (Renten, Auszahlungen aus Lebensversicherungen, etc.)

Nicht alle Punkte in dieser Aufzählung treffen auf jeden Anleger zu, und es kann natürlich noch weitere, individuelle Einkommensarten geben.

Hier kannst Du sicher für Dich wichtige, weitere Einkommensbestandteile entdecken.

Versuche abzuschätzen, wie sich die einzelnen Positionen entwickeln werden und ermittle jeweils den Zehnjahreswert.

Dieser Wert ist ein von Dir prognostizierter Zehnjahreswert und aufgrund Deiner Schätzung mit Unsicherheiten behaftet. Aber er ist enorm wichtig, wie wir gleich sehen werden.

Z.B. kann sich Dein Einkommen in den kommenden Jahren verbessern:

  • Welche Lohnerhöhungen erwartest Du?
  • Können neue Einkommensarten hinzukommen?

Ziehe dann einen Strich unter alle Positionen in Deiner Liste und summiere die Beträge.

Unter dem Strich stehen jetzt die Summe Deines jährlichen Einkommens und eine Prognose über den Zehnjahresbetrag Deines privaten Einkommens.

Familie Fischer steht ebenso wie Du am Anfang ihrer Vermögensanlage. Sie hat ihre private Bilanz der Einnahmen so zusammengefasst:

Wie bestimme ich mein freies Kapital

Ausgaben

Bei den Ausgaben gehst Du genauso vor wie bei der Bestimmung des Einkommens.

In Deiner zweiten Liste werden die jährlichen Beträge der einzelnen Ausgaben notiert. In der dritten Spalte steht wieder eine Hochrechnung auf die kommenden zehn Jahre.

Versuche wieder so gut wie möglich abzuschätzen, wie sich die einzelnen Ausgaben in den kommenden zehn Jahren entwickeln werden.

Damit Du den vollen Überblick erlangst, ist es sinnvoll, die zusammengehörenden Positionen aus der Einkommensliste und der Ausgabenliste gegenüberzustellen.

Du kannst also die erste Liste der Einnahmen um die Spalten der Ausgaben erweitern, oder eine entsprechende neue, zweite Liste anfertigen.

Hier eine Übersicht über Deine privaten Ausgaben, die Du auflisten solltest:

  • Sämtliche Kosten der Haushaltsführung (Nahrung, Strom, Wasser, Gas, etc.)
  • Mieten für Wohnraum plus weitere Nebenkosten
  • Kredit- und Hypothekentilgung
  • Belastungen aus Vermietungen (Mietausfall, Instandhaltung, etc.)
  • Leasingkosten (monatliche Rate und Einmalzahlung)
  • Unterhaltszahlungen
  • Pflegekosten
  • Beiträge zu Kapitallebensversicherungen
  • Sparpläne bei Fondsgesellschaften
  • Ausgaben für Hobbies und private Aktivitäten
  • Bezahlung von Großereignissen: Silberhochzeit, Weltreise, runder Geburtstag
  • Regelmäßige, größere Spenden und Geldgeschenke

Berechne wieder die summierten Beträge im kommenden Jahr und in den kommenden zehn Jahren.

Bei Familie Fischer sieht das z. B. so aus:

Wie bestimme ich mein freies Kapital

Deine Sparquote ist gleich Einnahmen minus Ausgaben

Mit Deinen zwei Listen kannst Du jetzt Deine Sparquote auf Sicht des kommenden Jahres berechnen:

Wie bestimme ich mein freies Kapital

Wenn Du in Deinen zwei Listen keine größeren Posten vergessen hast, ist das der Betrag, den Du – vereinfacht gesprochen – pro Jahr auf die hohe Kante legen kannst.

Auch die Prognosen für die nächsten zehn Jahre von Einkommen und Ausgaben führen auf eine Art Sparquote. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Erwartungswert. Dieser ist mit Unsicherheiten behaftet, die aus Deinen Schätzungen resultieren.

Dieser Erwartungswert kann für Dich eine Indikation darstellen, ob sich in den kommenden zehn Jahren etwas Gravierendes ändert, auf das Du Dich bereits jetzt einstellen kannst.

Das stellst Du fest, indem Du den zuvor errechneten Jahresbetrag der Sparquote mit zehn multiplizierst, ihn also auf zehn Jahre hochrechnest.

Diesen Wert vergleichst Du mit der prognostizierten Zehnjahres-Sparquote.

Ist die prognostizierte Sparquote im Vergleich zur hochgerechneten Sparquote

  • Erheblich größer
    (Deine Sparquote steigt enorm.) ⇒ alles super, mache Luftsprünge!
  • Etwas größer
    (Deine Sparquote steigt normal.) ⇒ alles OK!
  • Etwas kleiner
    (Deine Sparquote zehrt sich auf.) ⇒ prüfen und beobachten!
  • Erheblich kleiner
    (Bald sparst Du nicht mehr.) ⇒ prüfen und Gegenmaßnahmen einleiten!

Familie Fischer hat für sich die Sparquote ermittelt und dabei den prognostizierten Zehnjahreswert von 64.444 Euro errechnet.

Thomas Fischer multipliziert den Jahreswert der Sparquote von 4.396 Euro mit zehn und errechnet einen auf zehn Jahre hochgerechneten Betrag von 43.960 Euro.

Diesen Betrag kann die Familie ohne Berücksichtigung von Steigerungen in den kommenden zehn Jahren ansparen.

Da die prognostizierte Sparquote mit 64.444 Euro größer als der hochgerechnete Wert von 43.960 Euro ist, kann Thomas Fischer von einer jährlich steigenden Sparquote ausgehen.

Wie bestimme ich mein freies Kapital

Für die Familie Fischer ist somit alles OK und im grünen Bereich.

Liquidität

Die Liquidität ist ein Teil Deines vorhandenen Vermögens.

Sie ist der Betrag, der in den kommenden zwölf Monaten auf Deinem Girokonto verfügbar ist und neu angelegt werden kann.

Verfügbares, liquides Geld ergibt sich beispielsweise aus

  • Fälligkeiten, z.B. eine Anleihe, die ihr Laufzeitende erreicht hat
  • dem schon länger von Dir geplanten Verkauf einzelner Wertpapiere
  • der schon länger von Dir geplanten Auflösung bestimmter Vermögensanlagen
  • der Zuteilung von Kapitallebensversicherungen
  • der Zuteilung von Kapitalleistungen aus der Betriebsrente
  • etc.

Aus all diesen Möglichkeiten summiert sich im Laufe der nächsten zwölf Monate der Betrag, den Du für eine Neuanlage verwenden kannst.

Hinzu zählen kannst Du auch Deine Sparguthaben und Tagesgelder.

Eine sichere Abschätzung der Liquidität gelingt Dir, wenn Du auch hier eine Liste erstellst.

Deine Liste sollte wie in dem folgenden Beispiel der Familie Fischer drei Spalten umfassen.

Wie bestimme ich mein freies Kapital

Schreibe in jede Zeile die Vermögensart und notiere in der Spalte Jahreswert den entsprechenden Betrag.

Diese wichtige Größe summierst Du auf und erhältst den in den nächsten zwölf Monaten zu investierenden Geldbetrag.

In der letzten Spalte Bemerkungen notiere Dir das Datum der Verfügbarkeit, wann also auf Deinem Girokonto das Geld vorliegt.

Im Ergebnis erhältst Du den Betrag der Liquidität und einen Blick darauf, wann Du tätig werden kannst.

Dein freies Kapital

Berechne jetzt Dein freies Kapital.

Das freie Kapital ist das Geld, das Du insgesamt in den kommenden zwölf Monaten erneut anlegen kannst.

Nach dem obigen Schema ist das freie Kapital gegeben durch Einnahmen minus Ausgaben plus Liquidität.

Thomas Fischer fasst seine Rechnung so zusammen:

Wie bestimme ich mein freies Kapital

Das freie Kapital – eine wichtige Größe für die weitere Planung

Der vorgeschlagene Weg bedeutet viel Detailarbeit.

Aber er zeigt Dir auf, welche Anlagespielräume Du in den kommenden Monaten tatsächlich hast.

Und er erlaubt Dir auch einen Blick in Deine Zukunft: Welche Gelder erwarten mich im kommenden Jahr?

Außerdem kannst Du auch hier Risiken erkennen, z.B. wenn die Sparquote negativ wird.

Der sichere Blick auf das freie Kapital erleichtert Dir die nächsten Schritte als eigenverantwortlicher Portfoliomanager.

Bevor Du Gelder – im wahrsten Sinne des Wortes – verplanst und mit den Nachteilen kämpfen musst, empfehlen wir Dir, Dein freies Kapital sorgsam abzuschätzen.

Diese Überlegungen kommen bei der Geldanlage bei einem professionellen Finanzberater oft zu kurz und sind doch ungemein wichtig.

Das Credo lautet: Verringere Dein Risiko durch gute Planung.

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